Race Pro Review
dieses Review ist erschienen auf www.xboxfront.de und mit freundlicher Genehmigung bereitgestellt worden.
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Schon seit den ersten Gerüchten einer möglichen Konsolenumsetzung der PC-Rennsimulation GTR warten alle Xbox 360-Besitzer auf einen Racer des schwedischen Entwicklerstudios SimBin. Mit RACE Pro bringen die Simulationsspezialisten endlich ihr erstes Konsolenspiel auf den Markt und dass ein Neuanfang durchaus Tücken mit sich bringt, zeigt sich auch hier. Aber alles der Reihe nach.
Der wahr gewordene Traum...
...eines jeden Simulationsfans. So wirkt RACE Pro auf den ersten Blick. Lizensierte Rennserien wie die FIA WTCC sorgen für Entzückung, denn gerade im Tourenwagensport sind packende Positionskämpfe an der Tagesordnung. Aber damit nicht genug, denn vom Mini bis hin zu PS-strotzenden GT-Boliden bietet RACE Pro nahezu alles, was das Rennfahrerherz höher schlagen lässt.
Im Vergleich zu Forza Motorsport 2 verzichtet Entwickler SimBin auf „Schnickschnack“ wie einen Logoeditor und bietet knallharten Rennsport auf insgesamt 13 Strecken die im Offline-Modus mit bis zu 15 Gegnern befahren werden können, online schaffen es immerhin noch 12 Fahrer, sich zu messen. RACE Pro basiert im Grunde auf den PC-Titel RACE und dessen Lizard-Engine und diese Wurzeln sind deutlich spürbar.
Den Multiplayermodus im Fokus!
Obwohl die Stärken von RACE Pro klar im Online-Multiplayerbereich zu suchen sind, bietet auch der Offline-Part unter Umständen wochenlangen Spielspaß. Neben dem Karrieremodus, der in erster Linie dazu dient, die Rennklassen freizuschalten, bietet der Schwedenracer auch noch frei konfigurierbare Einzelrennen und einen Meisterschaftsmodus, in dem sich eine komplette Saison in der gewünschten Rennklasse absolvieren lässt. Apropos Rennklassen: Wer noch nicht weiß, welche Boliden sich genau in RACE Pro tummeln, findet hier eine Übersicht. Neben den bereits genannten Spielvarianten dürfen natürlich auch ein Zeitrennen sowie ein offenes Training nicht fehlen. Zusätzlich führt SimBin den guten alten Hotseat-Modus wieder ein, in dem sich zwei Spieler abwechselnd auf einer Strecke duellieren können.
Wie die Überschrift bereits verraten lässt, will SimBin mit RACE Pro die Krone der Onlineracer an sich reißen. Die Vorzeichen dafür nicht schlecht, denn mit insgesamt zwölf Fahrern ist das Teilnehmerfeld größer als das beim Konkurrenten Forza Motorsport 2, zudem besteht die Möglichkeit, zwischen Trocken- und Regenrennen zu wählen. Ein dynamisches Wettersystem gibt es nicht. Auf den zweiten Blick tritt jedoch relativ schnell Ernüchterung ein, denn darüber hinaus bietet RACE Pro nichts, was man nicht auch schon in Forza 2 gesehen hat. Zudem ist es in RACE Pro nicht möglich, die Gegner-Kollision abzuschalten… in wie weit sich dies auf die Ranglisten-Rennen auswirken wird, wird sich zeigen.
Auf Kollisionskurs mit der Technik
Wie bereits genannt, basiert RACE Pro auf der von SimBin entwickelten Lizard-Engine und die dürfte Forza-verwöhnte Zockeraugen zu Beginn sicherlich enttäuschen. Zwar tummeln sich vier Fahrzeuge mehr auf den Strecken, dafür muss man in vielen Punkten derbe Abstriche hinnehmen. Am auffälligsten ist die Tatsache, dass RACE Pro „nur“ mit 30 Bildern pro Sekunde über die Bildschirme flimmert. Dies ist allerdings zu verschmerzen, denn das Renngeschehen bleibt weitestgehend ruckelfrei. Unschön sind allerdings die teilweise extremen horizontalen Verschiebungen (Tearing), die gerade in der Motorhaubenansicht auftreten. Zwar ist man während der Rennen auf Bremspunkte und Gegner konzentriert, was die Auswirkungen schmälert, dennoch erwartet man von einem Rennspiel, dass sich der gesamte Bildschirm flüssig bewegt und nicht nur eine Hälfte.
Auch die restliche Optik ist eher als „altbacken“ zu bezeichnen und strotzt nicht gerade vor Details. Der Look an sich dürfte jedoch begeistern, denn gegenüber der Konkurrenz hat SimBin eine etwas realistischere Farbpalette gewählt. Der Motorensound von RACE Pro ist durchaus als „brachial“ zu bezeichnen, auch wenn er im unteren Drehzahlbereich manchmal verzerrt wirkt. Dennoch: hier gibt es Rennatmosphäre pur!
Physik ist keine Auslegungssache
Das Fahrverhalten der Wagen gibt sich klassentypisch unterschiedlich und wartet mit vielen Einstellungsmöglichkeiten auf. Als Grundeinstellungen gibt es mit Neuling, Halbprofi und Profi drei Schwierigkeitsgrade, die sich nochmals in den Bereichen ABS, Traktionskontrolle, Stabilitätshilfe, Ideallinie, Getriebeart und KI-Stärke unterteilen und dort verschiedene Optionen anbieten. Egal in welcher Schwierigkeitseinstellung man fährt, RACE Pro gibt sich zwar zu jeder Zeit simulationslastig, spricht aber auch durchaus Neulinge und Liebhaber von Arcade-Racer an.
Das Fahrzeugsetup lässt sich nochmals variieren und bietet Tüftlern die Möglichkeit das Optimale aus der Fahrzeug-Strecken-Kombination herauszuholen. Eine Übersicht, welche Schrauben sich hier genau verstellen lassen, sparen wir uns, nur so viel sei gesagt: Profis werden nicht enttäuscht sein! Insgesamt ist der Punkt "Fahrphysik" einer der Highlights in RACE Pro, allerdings stellt sich die Frage, warum das Force Feedback beim Lenkrad nahezu nicht existent ist. Dadurch werden die Fahrzustände nur unzureichend an den Fahrer weitergegeben.
Ein Wechselbad der Gefühle
Nicht viele Spiele haben bei unseren Testern ein derartiges „Wechselbad der Gefühle“ hervorgerufen, das von freudigem Jauchzen bis hin zu unverständlichem Kopfschütteln so nahezu jede Regung in Petto hatte. RACE Pro ist eine solide Rennsimulation mit tollen Strecken und Rennserien. Der Sound ist eine Klasse für sich und auch die Einstellungsmöglichkeiten suchen Ihresgleichen.
Zwei große Minuspunkte prangern aber über dem SimBin-Werk: Der erste ist die Tatsache, dass RACE Pro bei Weitem nicht das bietet, was man von den GTR-Machern erwartet hat, sondern nur eine teilweise stark beschnittene Konsolenvariante der grandiosen PC-Spiele darstellt. Hinzu kommt die Tatsache, dass einige Details nur halb umgesetzt wurden. Die Tankanzeige, bzw. –füllmenge ist da ein gutes Beispiel. Man kann an der Box tanken und in manchen(!) Fahrzeugen gibt es eine Tankanzeige, die allerdings nur in der Cockpitperspektive sichtbar ist. Zudem kann man die Spritmenge zu Rennbeginn nicht bestimmen, was eine Strategie im Keim eliminiert und Boxenbesuche quasi nutzlos macht.
Als nächsten Kontrapunkt ist die Gegner-KI zu nennen, die zwar untereinander knallharte Gefechte auskämpft, euch aber gerade in den höheren Spielstufen gnadenlos von der Stecke schiebt. In unserem Formel 3000 Video haben wir schätzungsweise 25(!) Versuche unternommen, mit höchster KI-Stufe zu fahren und in 25 von 25 Fällen sind wir in der ersten Schikane von 10 Fahrern gleichzeitig in bester Auto-Scooter-Manier rausgefeuert worden. Wer übrigens auch nur einen abgefahrenen Frontflügel erwartet, wird ebenfalls enttäuscht, denn selbst in der „Unmittelbar“-Einstellung sind wirkliche Schäden eher Mangelware und treten nur bei direkten „Einschlägen“ auf. Hat man dann doch eine Beschädigung und fährt in die (gähnend leere) Box, setzt der Autopilot euer Fahrzeug schon einmal gern bei der Ausfahrt in die Boxenmauer! Eine erneute Reparatur in der kommenden Runde ist die Folge… hoffentlich ohne Crash!
WERTUNG/FAZIT
Fazit
Keine Gefahr für Forza Motorsport 2! Leider, leider leider… mit RACE Pro liefern die Rennexperten von SimBin unter dem Strich gesehen nicht das erhoffte Meisterstück ab. Zugegeben: die Erwartungen waren extrem hoch und eigentlich ist RACE Pro in vielen Punkten auch wirklich gut und bietet ein solides Grundgerüst, und man könnte von einigen Negativpunkten absehen, wären da nicht die vielen vielen kleinen Bugs und Fehler, die das Ganze teilweise wie eine Betaversion aussehen lassen. Während die rempelnde Gegner-KI die Multiplayer-Fans eher kalt lässt, ist der Crash-Autopilot in den Boxen eine drohende Gefahr für jeden Ligabetrieb und lässt den Pitstop oft zum Glücksspiel werden.
Es ist davon auszugehen, dass SimBin eine ganze Armada von Patches hinterherschickt und die sind auch bitter nötig, denn so gerne wir RACE Pro ganz weit oben gesehen hätten, derzeit reicht es nur für eine Platzierung im oberen Mittelfeld. Natürlich werden wir den Schwedenracer sehr gerne einen Nachtest unterziehen und die Wertung entsprechend anpassen... wenn die Probleme behoben sind.
Für Diskussionen zum Thema empfehlen wir euch unser offizielles RACE Pro-Forum.
Pro und Contra
+ viele Rennserien
+ tolle Streckenauswahl
+ bis zu 16 Fahrzeuge auf der Strecke
+ brachialer Sound
+ einstellbare Wetterbedingungen
- viele Bugs und Fehler
- Grafik nicht zeitgemäß
- teilweise extremes Tearing
- stark schwankende Gegner-KI
- sehr schwaches Force Feedback (Wheel)
- unausgewogenes Schadensmodell
• Dolby Digital 5.1
• 480p
• 720p
• 1080i/p
Features
• 13 Rennstrecken
• 19 Rennserien
• realistische Regenrennen
• 350 verschiedene Fahrzeugmodelle
• Onlinerennen mit bis zu 12 Fahrzeugen
Wertung Prozent Punkte Note
Gameplay 77 % 7.5/10
3 Umfang 86 % 8.5/10 2
Grafik 74 % 7.5/10 3.5
Sound 95 % 9.5/10 1
Multiplayer 88 % 9/10 2
